Das Milchwerk in Rottweil wird voraussichtlich zum 1. November 2014 schließen, 120 Arbeitsplätze gehen verloren. Die Mitarbeiter wurden am 28. August 2013 über die Pläne der OMIRA informiert.

Damit endet in Rottweil eine Ära der Milchproduktion, die mit dem Bau des Milchwerks auf der Breite im Jahr 1936 begann. Im Jahr 1970 bezog das Milchwerk den modernen Bau auf der Saline.

Pressemitteilung: OMIRA auf dem Weg zur neuen Stärke

Aus aktuellem Anlass möchten wir Sie über die aktuelle Unternehmensentwicklung und Fortschritte in der Restrukturierung der OMIRA-Gruppe informieren.

Die letzten Monate hat das Unternehmen mit der Unterstützung des Generalbevollmächtigten Ralph Wonnemann und externen Beratern aktiv genutzt um die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Die Finanzierungspartner unterstützen den eingeschlagenen Weg. Mit den geschaffenen Voraussetzungen wird die OMIRA ab September ihre neue wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch durch Auszahlung eines überdurchschnittlichen Milchgeldes unter Beweis stellen.

Seit Februar 2013 wurden die Entwicklungen der Vergangenheit sowie Stärken und Schwächen der OMIRA-Gruppe analysiert. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf zahlreichen internen und externen Ereignissen des Jahres 2012. Diese haben sich in Kombination mit unzureichenden Steuerungssystemen negativ auf die Leistung von OMIRA ausgewirkt. Der Jahresfehlbetrag der Gruppe lag 2012 bei ca. 15 Mio.€. Bereits im Laufe des Jahres 2012 war das Unternehmen nicht mehr in der Lage ein wettbewerbsfähiges Milchgeld an seine Lieferanten zu bezahlen. Diese Milchgeldunterzahlung sowie das verlorene Vertrauen seitens der Gesellschafter/Milchlieferanten in das Unternehmen und sein Management haben bereits Ende 2012 zu Kündigungen der Milchlieferverträge geführt. Auf Basis der aktuell vorliegenden Kündigungen wird die OMIRA-Gruppe bis 2015 ca. 250 Mio.kg Milch v.a. in der Region Ravensburg/Rottweil verlieren.

Seit dem Frühjahr 2013 wurden zahlreiche Sofortmaßnahmen eingeleitet, um die Fehler aus der Vergangenheit abzustellen und die Unternehmenssituation zu stabilisieren. Als erstes wurden Unternehmenssteuerungsinstrumente wie Monatsreporting, Liquiditätsplanung, Vertriebscontrolling und Milchgeldprognose verbessert oder neu eingeführt. Alle wichtigen Vertragsverhandlungen laufen seit Frühjahr 2013 auf Basis eines „Vier-Augen-Prinzips“ und indizierten Preisformeln im Industriegeschäft. Im Laufe des Jahres 2013 wurden keine Kontrakte zu Dumping-Preisen abgeschlossen: es wurde gezielt auf einige defizitäre Produkte/Kunden verzichtet. Ebenfalls wurde eine Neuordnung der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats eingeleitet. Mit der Umsetzung der Sofort-Maßnahmen und gestützt durch die gute Marktsituation wurde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der OMIRA-Gruppe im Vergleich zum Vorjahr kontinuierlich verbessert. Das kumulierte positive Halbjahresergebnis der Gruppe 2013 liegt deutlich über dem Vorjahresniveau. Diese erfreuliche Entwicklung macht eine sukzessive Anhebung des Milchgelds von 31,5 Cent/kg im März-April 2013 bis auf 37,5 Cent/kg im August 2013 möglich. Bei konsequenter Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen bestehen weitere Potenziale. Die OMIRA wird sich bei deren Hebung an der Leitlinie orientieren, nur erwirtschaftetes Milchgeld auszuzahlen.

Das Kernziel der Restrukturierung der OMIRA-Gruppe ist die nachhaltige Ertragsverbesserung und folglich das Wiedererlangen der Attraktivität für die Milchlieferanten durch die Auszahlung vom Milchgeld mind. auf dem Niveau des Branchendurchschnitts in Bayern/Baden-Württemberg. Angesichts der erwarteten Verwerfungen im Milchmarkt durch den Wegfall der Milchquote im Jahr 2015 hat dabei auch die Vorsorge auf diese Situation große Bedeutung.

Das entwickelte Restrukturierungskonzept baut auf den vorhandenen Stärken der OMIRA-Gruppe mit Berücksichtigung von zukünftigen Chancen und Möglichkeiten. Hierbei sind z.B. die einmalige Kompetenz in der Herstellung von laktosefreien Produkten unter der Premium-Marke „MinusL“ sowie eine starke Marktpositionierung im Bereich Industrieprodukte (wie Milchpulver und Butteröl) mit dem Prädikat „Alpen“ zu erwähnen. Die sukzessive Risikoreduzierung ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Restrukturierungsvorhabens und verfolgt das Ziel, diverse Schwachstellen in der heutigen Ausrichtung der Gruppe zu eliminieren. Diese sind v.a. die immer noch zu starke Konzentration auf das hoch preisvolatile Frischegeschäft (v.a. im Bereich Konsummilch) mit negativen Zukunftsprognosen sowie die Dezentralität der Produktionsstandorte mit unterschiedlich stark ausgeprägten Reinvestitionsbedarfen. Die letzten Aspekte verbunden mit dem bevorstehenden Milchmengenabgang aufgrund der vorliegenden Kündigungen der Milchlieferverträge machen bestimmte strukturelle Veränderungen in der Gruppe unabdingbar.

Zusammengefasst basiert der Restrukturierungsplan u.a. auf folgenden Säulen:

   Reduzierung und Stabilisierung der preisvolatilen Frische/Weiße Linie mit der einhergehenden Anpassung der Werksstruktur an die zukünftige Milchmengenentwicklung
   Stärkung und Ausbau des Industriegeschäfts auf Basis langfristiger preisindizierter Verträge mit internationalen Top-Kunden u.a. im Bereich der Produkte mit dem Prädikat „Alpen“
   Sicherung der Rohstoffbasis durch Harmonisierung der Milchlieferverträge, Bonus-Modelle und Garantiepreise
   Diverse interne Maßnahmen wie gesellschaftsrechtliche Neuordnung der Gruppe, Kostenoptimierung und Effizienzsteigerungen, Verstärkung des Managements, Verbesserung der Steuerungsinstrumente, Intensivierung der Arbeit mit Aufsichtsrat, Erzeugerbeiräten und Obmännern etc.
   Mittelfristig: Suche nach Partnerschaften und Kooperationen mit dem Ziel Verwertungssteigerung z.B. durch internationalen Vertrieb der laktosefreien Produkte oder Einstieg in das Marktsegment Käse

Eine der wesentlichen strukturellen Veränderungen der OMIRA-Gruppe betrifft die Verdichtung der Werksstruktur. Nach einem langen Abwägen der möglichen Alternativen hat das Unternehmen beschlossen, die Produktion in Rottweil zum 31.10.2014 einzustellen und den Standort zum Ende des Jahres 2014 zu schließen. Diese schwierige Entscheidung resultiert v.a. aus der Notwendigkeit auf den Verlust der Milchmenge in der Region Rottweil/Ravensburg bis 2015 zu reagieren. Die dadurch frei werdende Milchmenge kann in die Produktion von Industrieprodukten in Ravensburg umgeleitet werden. Die Alternative der Beibehaltung aller drei Standorte würde zur Reduzierung der Sortimente und Kapazitäten in jedem Werk führen, mit deutlich negativen Auswirkungen auf der Kostenseite und weiter anhaltenden Verlusten. Bei der Umsetzung der Schließung von Rottweil wird sich OMIRA bemühen, dies unter Berücksichtigung der Interessen von betroffenen Mitarbeitern zu gestalten. So ist eine Weitergabe bzw. ein Verkauf des Standorts nicht ausgeschlossen. Ebenfalls wird den Mitarbeitern die Option der Weiterbeschäftigung in der OMIRA-Gruppe an den Standorten Ravensburg oder Neuburg angeboten. Auch die Verhandlung eines fairen Sozialplans mit dem Betriebsrat steht auf der Agenda. Der Schließung von Rottweil soll die gesellschaftsrechtliche Neuordnung der Gruppe vorausgehen. Es ist geplant, die Neuburger Milchwerke GmbH & Co. KG zu 100% in die OMIRA-Gruppe zu integrieren.

Ein weiterer Schwerpunkt des Restrukturierungskonzepts ist eine dauerhafte Sicherung der Rohstoffbasis. In diesem Zusammenhang sind u.a. Bonus-Modelle für alle Milchlieferanten angedacht, die sich an OMIRA bis Ende 2015 binden. Die Alpenmilchbauern, die eine längerfristige Lieferpartnerschaft mit OMIRA anstreben, können in der Zukunft von Garantiepreisen über dem Durchschnitt von Bayern profitieren. Oberstes Ziel bleibt es dabei, eine Verwertung zu erzielen, die für alle Milcherzeuger langfristig attraktiv ist.

Die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts ermöglicht bis 2015 eine nachhaltige Zukunftssicherung der OMIRA-Gruppe und ihrer Lieferanten/Eigentümer, das Erwirtschaften von attraktiven Renditen mit folglich höherem Milchgeld und eine weitere Stärkung des Eigenkapitals von derzeit ca. 38 Mio.€ auf über 50 Mio.€ im Jahr 2015. Schon heute liegt die Eigenkapitalquote der OMIRA-Gruppe mit ca. 25% der Bilanzsumme immer noch deutlich über dem Branchendurchschnitt. Mit der Umsetzung des Restrukturierungsvorhabens ist der Anstieg auf über 40% möglich. Der eingeschlagene Weg zeigt bereits im Jahr 2013 eine deutliche Ergebnisverbesserung der Gruppe auf über 4 Mio.€ im Vergleich zum Verlust von 2012 i.H.v. 15,2 Mio.€. In diesem positiven Jahresergebnis sind bereits alle bevorstehenden Restrukturierungsaufwendungen verarbeitet. Für die Jahre 2014-2015 ist eine weitere sukzessive Ergebnisverbesserung bis auf 7 Mio.€ geplant.

Auf Basis des Anfang August 2013 vorgestellten Restrukturierungskonzepts wurde seitens der OMIRA-Finanzierer die Finanzierung bis 30.09.2015 gesichert sowie seitens der Wirtschaftsprüfer das „Going Concern“ testiert. Der Aufsichtsrat der OMIRA GmbH trägt das Restrukturierungskonzept mit und empfiehlt den beteiligen Genossen und Genossenschaften die konsequente Umsetzung zur Stärkung der gesamten Unternehmensgruppe und seiner Erzeuger.

Mit den eingeleiteten Sofort-Maßnahmen und dem Restrukturierungskonzept wurden die Weichen für eine sichere Zukunft der OMIRA-Gruppe und ihrer Milchlieferanten gestellt. Die zukünftigen Erfolge erfordern eine zeitnahe und konsequente Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen. Um die Kontinuität im Restrukturierungsprozess zu unterstützen, hat der Aufsichtsrat der OMIRA den Generalbevollmächtigten Ralph Wonnemann beauftragt das Unternehmen bei der Umsetzung weiterhin federführend zu begleiten. Das Restrukturierungskonzept mit dem Weg zur neuen Stärke soll in der bevorstehenden Gesellschafterversammlung der OMIRA-Gruppe am 05.09.2013 verabschiedet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Erich Härle (Aufsichtsratsvorsitzender – stellvertretend für den gesamten Aufsichtsrat)

Ralph Wonnemann (Generalbevollmächtigter)

Dr. Stefan Bayr (Geschäftsführer)

Milchwerk am 8. September 2013
Milchwerk am 8. September 2013
Milchwerk am 8. September 2013
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Milchwerk am 8. September 2013
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