Ausstellung 1250 Jahre Rottweil im Dominikanermuseum 14.11.2021

Aus Rottweiler Bilder
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W. Schwenk hat die schöne und interessante Ausstellung besucht und die Bildimpressionen dazu angefertigt. Copyright: W. Schwenk. Die Rottweiler Bilder bedanken sich bei der Stadt Rottweil und dem Dominikanermuseum für die Fotografiererlaubnis.

Textquelle: Schwarzwälder Bote Online vom 14.11.2021

1250 Jahre Stadtgeschichte gibt es in der beeindruckenden Jubiläumsausstellung zu entdecken. Am Samstag wurde die Schau im Dominikanermuseum feierlich eröffnet.

Beinahe unscheinbar steht das Wörtchen "rotuvilla" auf dem kleinen, ein wenig zerknitterten Pergament. Das Papier ist das handschriftliche Fragment der ältesten Lebensbeschreibung des Heiligen Gallus – eine Heiligenlegende also – in der Rottweil mit seinem heutigen Namen erstmals auftaucht. Vom Licht des Raumes geschützt, ist dieses Schriftstück in der Ausstellung "1250 Jahre Rottweil – Stationen der Geschichte" zu entdecken. "Ein echter Schatz", wie Museumsleiterin Martina Meyr betont.

Die Ausstellung wurde am Samstag eröffnet und wartet mit insgesamt 100 Exponaten, darunter echten Besonderheiten auf, wie der Handschrift der ältesten Ordnung des Hofgerichts zu Rottweil aus dem Jahr 1430/35.

Oberbürgermeister Ralf Broß erinnerte in seiner Begrüßung an einige große Jubiläen, die es dank der reichen Stadtgeschichte immer wieder zu feiern gebe. "Wir könnten in diesem Jahr durchaus auch 1835 Jahre Erstnennung Rottweils unter dem römischen Namen "Arae Falviae" feiern. Die älteste Stadt Baden-Württembergs mit der Gründung des Municipiums durch die Römer ist jedoch nicht Anlass für das Jubiläumsjahr", betonte er. Sondern nun werde die Ersterwähnung des heutigen namens "rotuvilla" gefeiert. In 1250 Jahren habe sich die Stadt weiterentwickelt, ohne ihren einzigartigen Charme zu verlieren. "Mit Testturm, Hängebrücke, Großgefängnis und der Landesgartenschau haben wir große Projekte in unserer Stadt umgesetzt oder sind dabei, diese zu realisieren. Wir stehen an neuen Wendepunkten durch Digitalisierung, neue Mobilitätskonzepte und die Herausforderung des Klimaschutzes – und dennoch ist der Blick in die Vergangenheit unabdingbar, denn nur wer weiß, woher er kommt, kann die Zukunft gestalten", so der Oberbürgermeister.

1250 Jahre bieten ausreichend Gelegenheit, die Vergangenheit zu beleuchten. "Und die Ausstellung im Dominikanermuseum soll dazu beitragen, dass alle Bürger und Gäste unserer Stadt Rottweil neu erleben, oder entdecken", lud er ein und dankte den vielen Unterstützen, ohne die die Ausstellung nicht möglich gewesen wäre.

Auch Harald Sellner, Vorsitzender des Geschichts- und Altertumsvereins, hieß die Gäste willkommen. Der Verein hatte sich besonders dafür eingesetzt, das Stadtjubiläum mit einer Ausstellung gebührend zu feiern. Doch ohne Partner hätte der Verein das nicht stemmen können, wies Sellner hin. Dass man nun diese große Ausstellung eröffnen könne, das freue ihn ganz besonders.

"In der Stiftsbibliothek St. Gallen befindet sich ein einmaliger Urkundenschatz mit der Ersterwähnung von rund tausend Orten in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Rottweil ist eine Ausnahme: Ihre Ersterwähnung finden wir nicht in einer Urkunde des Stiftsarchivs, sondern in einem Text der Stiftsbibliothek", betonte der St. Gallener Stiftsbibliothekar Cornel Dora in seinem Festvortag. "Die erste Nennung der schönsten Stadt der Welt liegt also in der schönsten Bibliothek der Welt", sagte er schmunzelnd.

Das Dokument ist eines von zwei Fragmentblättern der ältesten erhaltenen Gallusvita, der so genannten "Vita vetustissima Sancti Galli". Sie wurden 1895 im Staatsarchiv Zürich entdeckt und 2006 im Rahmen des so genannten Kulturgüterstreits zwischen den Kantonen St. Gallen und Zürich der Stiftsbibliothek gewissermaßen zur Wiedergutmachung geschenkt, so Dora. "Die Blätter werden aufgrund der Schrift in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts datiert, der Inhalt ist aber älter. Er besteht aus drei Teilen, die nacheinander im Lauf eines Jahrhunderts entstanden sind, von 680 bis 780 nach Christus." Der Kern des Textes sei vor 680 verfasst worden, eine Fortsetzung kam um 715/25 dazu und die "uns hier interessierende zweite Fortsetzung wohl bald nach 771", so Dora.

Aber warum weiß man überhaupt in St. Gallen von dem "Wunder in der sogenannten Bertoldsbaar", wie das Gebiet hier damals bezeichnet wurde? "Das Kloster St. Gallen bekam im 8. und 9. Jahrhundert viele Güter in der Bertoldsbaar geschenkt. Leider sind uns all die schönen Höfe und Orte über die Jahrhunderte wieder abhandengekommen", so der Stiftsbibliothekar. Es komme jedenfalls nicht von ungefähr, dass die drei damals aufgezeichneten Wunderberichte: ein Feuerwunder, ein Pferdestrafwunder und unser Wachsstrafwunder, diese Gegend ins Licht rücken, "denn so konnte die Zugehörigkeit nach St. Gallen unterstrichen werden".

Die Jubiläumsausstellung ist ein Gemeinschaftswerk: "eine Koproduktion der Stadt Rottweil, des Landkreises Rottweil, initiiert, mitgestaltet und mitfinanziert vom Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein und gefördert von der Kreissparkasse und der Volksbank Rottweil sowie dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke", betonte Kreisarchivar und Kurator der Ausstellung, Bernhard Rüth. Aus Anlass der 1250-Jahr-Feier habe sich ein leistungsfähiges Konsortium von Kulturträgern in einer beispielshaften Konstellation zusammengefunden. Das qualitätvolle Ergebnis könne man sich nun bis in den Januar hinein anschauen. Die Projektgruppe mit Marco Schaffert, Mathias Kunz, Martina Meyr, Harald Sellner und Bernhard Rüth hat die Ausstellung vorbereitet. Aus dem Projektteam habe sich schließlich das Kuratorenteam mit Rüth und Museumsleiterin Martina Meyr herauskristallisiert, das für die Präsentation der Ausstellung und für die Ausstellungsmedien verantwortlich zeichnet.

16 Stationen leiten den Besucher durch die Rottweiler Geschichte. Das Adler-Maskottchen, das HP Kammer gestaltet hat, zeigt das jeweilige Thema auf, das auf den einzelnen Tafeln ausführlich beschrieben ist. Es macht Spaß auf diese Weise in die Geschichte einzutauchen und auf Entdeckungsreise zu gehen.

Martina Meyr erläuterte die Exponate und hatte so manche Anekdote zum Aufbau der Ausstellung parat. Sie legte den Besuchern ans Herz, sich die Schätze aus 1250 Jahren Stadtgeschichte anzuschauen: die beiden "Schatzkammern" mit den beeindruckenden Schriften, aber auch all die anderen Exponate.

Bis zum 16. Januar ist die Ausstellung zu sehen. Auch ein Begleitprogramm mit Führungen und Kinderprogramm ist geplant.