Oberamteigasse 10 / Oberes Soolbad im Dezember 2021

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Oberes Soolbad in der Oberamteigasse 10 am 21/22. Dezember 2021, Copyright: R.Kleinfeld ; Kleira Picture Art

Das heute denkmalgeschützte Gebäude Oberamteigasse 10 wurde im Jahr 1893 durch den aus Hessen stammenden Drucker Heinrich Eller sen. errichtet, der schon seit 1878 in Rottweil eine eigene Buchdruckerei unterhielt.
Es ist ein zweigeschossiges Gebäude auf beinahe rechteckigem Grundriss (Längenunterschied der Nord- und Südseite beträgt 1m). Im Keller war das Soolbad untergebracht und im Erdgeschoss befanden sich die Druckerei und eine Weinstube. Im1. Obergeschoss und im Dachgeschoss waren Wohnungen untergebracht.
An der östlichen Giebelseite befindet sich das Treppenhaus, das die Wohnungen und Einrichtungen auf den verschiedenen Etagen miteinander verbindet. Der äußere Zugang zum Treppenhaus erfolgt durch einen laubenartigen Vorbau aus Holz.
Das Haus ist mit einem Satteldach gedeckt, das an den Schmalseiten abgewalmt ist (Krüppelwalm). An den Längsseiten befindet sich je ein Zwerchhaus, dessen Dach ebenfalls abgewalmt ist.
Neben dem „Oberen Soolbad“ befanden sich noch zwei weitere Bäder in Rottweil. Zum einen das „Untere Soolbad“ (heutiges Johanniterbad) sowie das Olga-Bad in der Rottweiler Altstadt.
In der Saline „Wilhelmshall“ in Rottweil wurde bereits ab 1824 Sole produziert. Diese wurde nun auch in den Bädern in Rottweil verwendet. In Einzelkabinen befanden sich ganz normale Zink-Badewannen, in denen die zuvor erhitzte Sole eingelassen wurde und die Badegäste ihr Bad nahmen. Außer Solebäder wurden u.a. aber auch Dampf- und Moorbäder etc. angeboten. In einem der Kellerräume hat sich bis heute ein Ofen, in dem die Sole erhitzt wurde, erhalten.

Die Druckerei gab Heinrich Eller sen. schon früh an seinen Sohn Heinrich Eller jun. ab. Gedruckt wurden z.B. Ansichtskarten, Werbebroschüren u.s.w.
Aber auch das Narrenblättle wurde von der Familie Eller herausgegeben. 1987 konnte die Narrenzunft die Rechte am Narrenblättle-Titel erwerben.

1951 wurde das Haus verkauft. Die jüngste Tochter Mathilde Eller erhielt ein Wohnrecht und lebte noch bis mindestens 1953 in diesem Haus (Adressbuch). Später zog sie nach Schwenningen zur Familie ihres Neffen, wo sie 1965 verstarb.
2005 wurde das Haus an die Stadtbau-Rottweil verkauft. Ab etwa 2010 wird das Gebäude nicht mehr bewohnt.

Um den Leerstand und den damit einhergehenden Verfall zu stoppen, hat sich aus der ehemaligen „Bürgerinitiative Kapuziner e.V.“ nun die Bürgerinitiative „Denk-Mal Rottweil e.V.“ formiert. Ziel ist es, ein Haus für die Bürger und Vereine zu schaffen, indem Ateliers, Vereinsräume und eine kleine Gaststube entstehen sollen. Auch ein kleines Museum soll in den alten Bad-Räumen eingerichtet werden. Die Umgestaltung wird etwa 800 000 Euro kosten, wovon die Bürgerinitiative etwa 200 000 Euro selbst aufbringen kann. Um das Vorhaben verwirklichen zu können, werden Sponsoren und Unterstützer gesucht, die sich mit Geldspenden oder Sachleistungen an den Arbeiten beteiligen.

Quelle: Guntram Vater, BI Denk-Mal Rottweil